Die Fußabdrücke im Flur

Im Rahmen der zweiten Tatortsinspektion machte die Polizei mithilfe von Luminol Fußabdrücke im Flur zwischen Merediths und Amandas Zimmern, sowie in Amandas Zimmer selbst sichtbar.

All diese Abdrücke wurden durch das lokale C.S.I.-Team getestet, um festzustellen, ob sie hinterlassen wurden, nachdem jemand in das Blut des Opfers getreten war. Die Ergebnisse der in den Laboren des römischen C.S.I. durchgeführten Tetramethylbenzidin-Tests waren negativ, auch bestätigt durch die für gewöhnlich im Gericht zu behandelnden WPF (work in progress files). Der Gericht fällte in erster Instanz kein von diesen Ergebnissen abweichendes Urteil.

Das Gericht bestätigte auch in zweiter Instanz, dass die Fußabdrücke nicht anhand von Blut an den Sohlen entstanden waren und wies zudem darauf hin, dass der Tetramethylbenzidin-Tests so sensibel ist, dass ein minimales Vorkommnis von Blut – etwa fünf rote Blutkörperchen – für ein positives Ergebnis ausreicht.

Diesbezüglich entstanden also keine Widersprüche zwischen den gerichtlichen Ergebnissen in erster Instanz und denen des Berufungsverfahrens durch den Generalstaatsanwalt. Auch in diesem war nie die Rede von Fußabdrücken, welche durch das Blut des Opfers entstanden sind.

Der Oberste Gerichtshof jedoch übergeht das Gerichtsurteil in erster Instanz, das Urteil der Berufungsverhandlung durch den Generalstaatsanwalt in Perugia und behauptet entschieden, entgegen des richterlichen Urteils in zweiter Instanz, die Fußabdrücke seien sehr wohl durch Blut entstanden und dieses Blut sei das von Meredith.

Demnach taucht der Oberste Gerichtshof tief in den Fall und die Beweissituation ein (was Ihnen nicht erlaubt ist, da sie dazu gesetzlich nicht befugt sind), übergeht die bisherigen Auswertungen und Schlussfolgerungen derjenigen Richter, die per Gesetz tatsächlich dazu befugt waren, den Fall zu beurteilen – all dies ohne jegliche Sichtung der den Fall betreffenden Akten oder Dokumente – und lädt das Berufungsgericht somit ein, Amanda zu verurteilen.

Dies sind die unglaublichen und schamlosen Konsequenzen, wenn ein mächtiger und unumstößlicher Oberster Gerichtshof sich nicht an die gesetzlich vorgeschriebenen Verpflichtungen hält um ein zulässiges Urteil zu fällen.

Vielen Dank an Caryl für Übersetzung

Raffaele Sollecito

Questo post è disponibile anche in: Italienisch Englisch Spanisch

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *